Hermann Staudinger, geboren am 23. Dezember 1963 in Schwanenstadt/Oberösterreich, lebt und arbeitet in Wien.

 

Studium an der Sommerakademie Salzburg 1986 bei Prof. Oswald Oberhuber, und an der Universität für angewandte Kunst Wien von 1986 bis 1992 bei Prof. Ernst Caramelle. Ausstellungen national und international; Kunst am Bau Interventionen österreichweit.

 

Hermann Staudinger, Wald XVI, 2021, Grattage auf Blattgold auf Holz, 64 x 194 cm

 

Hermann Staudinger, Wald VIII, Grattage auf Blattgold auf Holz, 2018, 45 x 160 cm

 

Hermann Staudinger, Wald XI, Grattage auf 12 Karat Weissgold auf Holz, 2019, 45 x 135 cm

 

Hermann Staudinger, Goldwand Weiß, Kreidevergoldung auf weißem Bolus, 2021, 120 x 120 cm

 

Hermann Staudinger, Goldwand Schwarz, Kreidevergoldung auf schwarzem Bolus, 2018, 120 x 120 cm

 

Hermann Staudinger, Mustangs, Grattage auf Blattgold auf Holz, 2018, 75 x 160 cm

 

Gustav Schörghofer über Hermann Staudinger:

 

Zu den Bildern von Hermann Staudinger

 

Was sie hier sehen, das sind Arbeiten, die in unterschiedlichen Techniken hergestellt sind. Goldarbeiten, mit Blattgold gearbeitet oder versilbert, ein Siebdruck auf Glas oder das Foto einer Zeichnung.

 

Die vergoldeten bzw. versilberten Arbeiten zeigen dann auch – wenn man sich so stellt, dass das Material glänzt – Gegenständliches, also figurative Abbildungen. D.h. es sind zwei vorgefundene Materialien verwendet und miteinander verblendet: das Fotomaterial, das aus profanen Zeitungen stammt, und das Goldmaterial.

 

Das ist etwas, das es früher auch gegeben hat, und ich meine mit früher sehr viel früher. Um etwa  1000 n. Chr. Wurde der Goldgrund in der Buchmalerei erfunden. Dieser Goldgrund spielt dann im gesamten Mittelalter – also in der Zeit von ca. 1000 bis 1500 n. Chr. – eine entscheidende Rolle; und ist für diese Epoche kennzeichnend geblieben. Es ist gut, das zu wissen, daß die hier zu sehenden Goldflächen im Mittelalter schon eine große, glorreiche und wunderbare Geschichte hatten.

 

Mit dem Gold im 21. Jhdt. wird an das Gold im Mittelalter angeknüpft. Das Gold wird als Materie wiederentdeckt und – so wie es hier ist – man muss es einfach materiell nehmen – es ist eine kostbare Materie. Das Blattgold aufpoliert oder auch im matten Zustand gelassen. Es werden dann diese Objekte geformt, die – diese Assoziation wird man nicht auskommen – an Rahmen erinnern, die aber einen Raum schaffen um etwas herum, also ein Feld schatten um etwas herum, das tut natürlich ein Rahmen auch, aber diese Kreise sind eigen- ständige Gebilde für sich, die durch diese Abstufung nach innen ein Feld vertiefen oder verdich-ten. Es sind Meditationsobjekte, würde man wohl sagen.

Die Bilder sind eine Überblendung von zwei Materialien: dem Material Gold und dem Bildmaterial, das aus herkömmlichen Zeitungen stammt. Das sind Fotos, die dann kopiert wurden und so hat sich auch die Rasterung erhalten. Kopiert, und in einem sehr sehr mühsamen Prozess – da wendet der Künstler Wochen auf – vom Papier in dieses Gold übertragen. Und zwar durch Bleistiftdruck auf das Papier, und da entsteht dann die matte Stelle im Blattgold. Gewissermaßen sind es Schatten im Blattgold – so ist es wohl zu sehen- und ähnliches gilt für die silbernen Flächen.

 

Ich glaube, das ist ein möglicher Zugang. Das Gold hat natürlich auch hier, in diesen Arbeiten, mit dem Heiligen, dem Spirituellen zu tun, ohne dass das konfessionell festgelegt wäre, das ist es nicht. Es wird die Welt der modernen Bilder, die uns ja umgibt, umrauscht und durchströmt, in diesen Raum des Goldes hineingenommen und bekommt dadurch einen ganz, ganz besonderen Charakter.

 

Pater Gustav Schörghofer SJ