Rayk Goetze

IN A GADDA DA VIDA

 

Einzelausstellung

 

Vernissage am Donnerstag, 17. September 2020, 18 - 21 Uhr,

sowie Freitag 18. September 11 - 21 Uhr und Samstag 19. September 11 - 18 Uhr

Einführende Worte von Mag. Hartwig Knack

 

in der Galerie Amart, Halbgasse 17, 1070 Wien

 

Sollten Sie einen privaten Einzeltermin zum Besuch der Ausstellung wünschen, so ist das jederzeit möglich.

 

Ausstellungsdauer verlängert bis inklusive 30. Jänner 2021

 

 

Rayk Goetze, Schwebebalg, Öl und Acryl auf Leinen, 2018, 240 x 200 cm

Um Ihnen einen Vorgeschmack zu bieten, haben wir die gesamte Ausstellung hier für sie hochgeladen!

Die Originale erfährt man natürlich am besten offline in der Galerie.

Die Werke im Einzelnen:

Auch unser Artist Talk mit Rayk Goetze und Hartwig Knack ist bereits online!

Eröffnungsrede Rayk Goetze In-A-Gadda-da-Vida (verschriftlicht)

 

Galerie AMART Wien, 17.9.2020

von Hartwig Knack

 

Rayk Goetze ist 1964 in Stralsund geboren. Zur Orientierung: Der Ort liegt an der deutschen Ostsee auf dem Gebiet der ehemaligen DDR; direkt an der Küste vor der Insel Rügen. Er hat zuerst eine Ausbildung als Stahlschiffbauer absolviert und in der Folge stand er als Marinetaucher/Kampfschwimmer im Dienst der Nationalen Volksarmee. Anfang der 90er Jahre (die DDR war zu diesem Zeitpunkt Geschichte) hat Rayk Goetze dann umgesattelt und von 1991 bis 1997 Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Arno Rink und Neo Rauch absolviert. Zwischendurch - 1995/1996 - hat er zwei Auslandssemester an der Accademia di Belle Arti in Florenz absolviert. Im Jahr 2000 schließlich hat er dann bei Arno Rink seinen Abschluss als Meisterschüler gemacht.

 

Zur Abgrenzung bzw. Differenzierung:

Goetzes Lehrer – Arno Rink und Neo Rauch – sind zwei Hauptvertreter der sogenannten „Neuen Leipziger Schule“, die sich in den 70er und 80er Jahren etabliert hat und sich durch eine Kombination von religiösen, mythologischen und kunsthistorischen Motiven charakterisiert. Dazu kam ein politischer Anspruch in Kombination mit einer jeweils künstlerspezifisch entwickelten Symbolik. Rayk Goetze wird immer wieder gerne unter dem Begriff „Neue Leipziger Schule“ abgeheftet. Das gilt allerdings nur bedingt. Er hat in Leipzig studiert – ja - und teilt mit seinen beiden Lehrern sicherlich das Interesse für realistische und figurative Malerei und das malerische Zitieren aus vergangenen Kunstepochen. Explizite politische Aussagen trifft Rayk Goetze im Unterschied dazu allerdings nicht so offensichtlich, sicherlich in versteckter, verklausulierter Form, denn natürlich finden Dinge, Sachverhalte, Geschichten, die ihn betreffen oder betroffen machen Eingang in seine Motivwelt, die ihm im Alltag in den Medien begegnen oder auf der Straße auffallen z.B. Interessant dabei ist das explizite Nebeneinander von Figürlichem und Abstraktem bzw. die wie selbstverständlich gesetzten Übergänge zwischen Figur und ungegenständlichen Partien. Also es liegt Rayk Goetzes Bildern ein vollkommen anderes Konzept zugrunde, als es die Künstler der „Neuen Leipziger Schule“ für sich

immer proklamiert haben.

 

"Hauptsächlich gesehene Dinge male ich.", hat Rayk Goetze mal vor ein paar Jahren in einem Interview gesagt. Und so verbindet er Elemente, Versatzstücke wie altmeisterlich ausgeführte Faltenwürfe oder Figuren mit merkwürdig kapriziösen Hand- und Fingerhaltungen, die der Renaissance oder dem Barock entsprungen zu sein scheinen mit einem Bildpersonal und Szenerien, die eindeutig unserer Zeit zuzuschreiben sind. Goetzes Bilder stecken voller Geschichten, die es zu entdecken gilt. Es ist an uns allen, sich sehenden Auges auf die Suche zu machen nach möglichen Beziehungen zwischen einzelnen Figuren innerhalb eines Bildes beispielsweise. Wo sind die Verbindungen, wo könnte es geheimnisvolle Zusammenhänge geben? Wie lassen sie sich individuell entschlüsseln? Ist es überhaupt notwendig, die sehr komplexen und meist kaum nachvollziehbaren Inhalte zu erklären? Das Spannende ist ja vielleicht, zumindest ein bisschen Geheimnis zu erhalten und die Bilder ihres Gehaltes nicht zu entkleiden!

 

Rayk Goetze ist Berichten zufolge jedenfalls sehr sparsam mit Kommentaren, wenn es um die Frage nach der Bedeutung der Bilder geht, um die von ihm in Form von Malerei getätigten Aussagen. Seine Bildtitel übernehmen die Rolle eines Denkanstoßes. Sie sind vielleicht wie Brotkrumen, die der Künstler vor uns hinwirft, um uns eine Möglichkeit zu eröffnen, den gedanklichen Einstieg ins Bild zu wagen. Nehmen wir z.B. das Bild „SchwebeBalg“, das eine Kombination aus altmeisterlichen Lasuren, gestischer Malerei, Spachtel- und Spraytechnik und dem Einsatz von Schablonen darstellt. „SchwebeBalg“: Ein Wortspiel: Wir erkennen den Teil eines Schwebebalkens im Bild. Genauso, wie einen Teil des Wortes Schwebebalken: SchwebeBalk. Das Bild heißt aber Schwebebalg (mit G am Ende). Und ein Balg steht abwertend für ein verzogenes, freches unartiges Kind, das wir auch in tänzerischer Pose auf dem SchwebeBalk im Bild zu erkennen glauben. So schafft der Künstler einen Einstieg für uns ins Bild und lässt uns dann trotzdem relativ ratlos zurück. Was machen wir nun mit den beiden Frauengestalten, die Arm in Arm vor einer gespachtelten orangegelben Farbfläche und auf einem kaum erkennbaren Untergrund stehen? Das ganze Setting scheint ziemlich desolat, der obere linke Teil erinnert vielleicht an bauliche Ruinen. Der Schwebebalken ist vielleicht eine Rückschau in die DDR, wo dieses Turngerät ja eine der Paradedisziplinen der DDRTurner bei z.B. Olympischen Spielen war … Oder aber der Schwebebalken war anfangs vom Künstler als solcher gar nicht intendiert, sondern (nur) als horizontale und diagonale Linie aus Gründen der Gesamtkomposition ins Bild gebracht und plötzlich assoziierte er dieses Sportgerät. Ich bin mir sicher, dass Sie alle beim Anschauen dieses Bildes noch ganz andere Assoziationen entwickeln.

 

Und genau das ist auch der Wunsch den Künstlers: Individuell in die Gemälde einsteigen. Manchmal aber ist es möglich, Rayk Goetze bei seinen Gedankengängen zu erwischen, ihm auf die Schliche zu kommen und etwas in der Aussage konkret werden zu lassen. So kann der Porträtierte im Bild „RossB“ als Bob Ross, ein USamerikanischer Maler und Fernsehmoderator, identifiziert werden. Bob Ross hat in den 80er und 90er Jahren einen Fernseh-Malkurs moderiert. „The Joy of Painting“ hieß die mehr als 400 Folgen umfassende Sendung, in der Bob Ross innerhalb einer

halben Stunde jeweils ein Ölbild gemalt hat. Immer in derselben Technik, immer naturbelassene Landschaften mit Nadelbäumen im Vordergrund, dahinter eine See vor einer schneebedeckten Bergkulisse. Neben diesen außerordentlich kitschig ausgeführten Motiven war das Markenzeichen von Bob Ross seine Afrofrisur. Stark gekrauste, nach allen Seiten abstehende dichte Locken, die sich wie ein Kreisrund um den Kopf legen. Und er hatte auch einen ähnlichen Bart wie der Porträtierte im Bild von Rayk Goetze. Ich bin mir fast sicher, dass Rayk Goetze keine Hommage an Bob Ross plante, als er an dem Bild zu malen begonnen hatte. Hingegen: Auch er lässt sich – was die Titelgebung betrifft – von Assoziationen leiten. Dieses nimbusähnliche Konstrukt rund um den Kopf herum hat sich vielleicht herausgebildet, weil Goetze der Hintergrund nicht gefiel und begonnen hatte, ihn zu übermalen bis er plötzlich feststellte: Oh – ein Afrolook! Lass ich so stehen!

 

Warum nun hat Rayk Goetze einen so besonderen Ausstellungstitel gewählt? In A- Gadda- Da- Vida. Ein Lied der Rockgruppe Iron Butterfly aus dem Jahr 1968. In einer Presseaussendung zu dieser Ausstellung ist sinngemäß zu lesen: „Das Rauschhafte und gleichzeitig Strukturierte Goetzes Malerei korrespondiert mit der Rauheit und Halbverständlichkeit des titelgebenden Songs.“ Also Ordnung versus Unordnung, Struktur versus Chaos. Ich habe mir gestern tatsächlich die Schallplatte von Iron Butterfly rausgesucht, die ich damals (also in den 70er Jahren) bis zum Gehtnichtmehr gehört hatte. Auf dem Cover psychedelische, farbüberladene, pulsierende runde Gebilde, die als Bühnenhintergrund gedient hatten. Heute würden wir von Visuals reden. Das gab es damals schon. Auch in den Videos zum Lied tauchten diese farbigen Strukturen auf, die sich in abgewandelter Form in manchen Bildern Rayk Goetzes wiederfinden.„Das Spiel“ oder „Durchbruch“ wären Beispiele dafür.

 

Der Titel „In A-Gadda-Da-Vida“ ist ähnlich kryptisch, wie viele der facettenreichen Bilder Goetzes. Zum Ursprung des Titels gibt es verschiedene Stories: So heißt es zum Beispiel, dass der ursprüngliche Titel „In the Garden of Eden“ war, der Sänger allerdings beim Proben derart mit LSD vollgepumpt war, dass er den Titel nicht mehr klar artikulieren konnte, und das es dann bei diesem Gebrabbel blieb. Und wie wir ja wissen, stecken auch viele Geschichten in den Bildern Rayk Goetzes. Das Lied von Iron Butterfly ist auf dem Album 17 Minuten lang, live gespielt konnte es auch schon mal eine halbe Stunde dauern. Anfangs durch Gitarrenriffs sehr strukturiert, der relativ simple Text kam dazu, bis im Mittelteil des Liedes plötzlich ein sechs bis zehnminütiges Schlagzeugsolo, gefolgt von einem nicht minder improvisierten Gitarrensolo einsetzte. Hier also ein sehr freies Spiel auf den Instrumenten, wo man (wenn man sich auf die Musik einlässt) im Rausch wegdriften kann, um schließlich wieder zum Text und den eingängigen strukturierten Gitarrenriffs zurückzukehren. Wenn wir das jetzt einmal auf die Malerei Rayk Goetzes übertragen wollen: Eine Einstieghilfe über den Titel ins Bild, das sich räumlich in die Tiefe durch zahlreiche Farbschichten, linear gesetzten Fluchtpunkten, Horizontlinien und bühnenartigen Ebenen strukturiert. Das Rauschhafte zeigt sich vor allem in den abstrakten und farbgewaltigen Partien oder in den gänzlich ungegenständlichen Arbeiten. Und ein Zurückkommen in geordnete Verhältnisse sozusagen ist eigentlich immer wieder möglich. Man hält sich an einzelnen Figuren fest, an einem Vogel, einem Fuchs oder an Gegenständen, wie einem Plastiksessel, einem Baum oder einer Rose. Und schon entspinnt sich eine neue Geschichte. Und mit einem Glas Wein in der Hand geht das gleich besonders gut.

 

HARTWIG KNACK

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Vorschau

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Leider müssen wir bis zum Ende des erneuten Lockdowns 2021 geschlossen halten.

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Gerne stehen wir Ihnen in dieser Zeit jedoch für kontaktlose Lieferungen bzw. Selbstabholung zur Verfügung.

Die Galerie Amart feiert im Februar 2021 ihr fünfjähriges Bestehen!

 

Zu diesem Anlass wird es ab 4.2.2021 eine Ausstellung mit den Künstlern der Galerie geben.

Die Galerie Amart zeigt das Beste aus den vergangenen fünf Jahren.

 

Mit Werken von

 

Joanna Gleich - Rayk Goetze - Marcus Jansen - Nicole Krenn

Burkhard Legenstein - Gottfried Mairwöger - Peter Marquant - Nikolaus Moser

Erzsebet Nagy Saar - Katharina Prantl - Markus Priller - Hermann Staudinger

Jan Valik - Linde Waber