Hermann Staudinger

 

Hermann Staudinger, Goldwand Gold/Rot, 2 x 2 cm, 120 x 120 x 3 cm, Kreidevergoldung auf rotem Bolus

 

 

Hermann Staudinger, geboren am 23. Dezember 1963 in Schwanenstadt/Oberösterreich, lebt und arbeitet in Wien. Studium an der Sommerakademie Salzburg 1986 bei Prof. Oswald Oberhuber, und an der Universität für angewandte Kunst Wien von 1986 bis 1992 bei Prof. Ernst Caramelle. Ausstellungen national und international; Kunst am Bau Interventionen österreichweit;

 

 

Hermann Staudinger antwortet auf die Frage, wie er zur Kunst gekommen sei, mit dem Hinweis, dass er in der Kunst noch am meisten die Möglichkeit sah, sich den wirklich essenziellen Fragen zu stellen: Was macht uns Menschen aus? Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

 

Was ist das: ein Mensch? Eine Seele? Wie kann es sein, dass jeder für sich der Mittelpunkt der Welt ist - und die Welt ein Zentrum in sich darstellt?
Diese Fragen sieht er hinführend in eine Welt der Spiritualität, des Glaubens und des Spiels, der ungebundenen fraglosen Schönheit und des einfachen Daseins.

Dementsprechend führt seine Kunst in eine tiefere Wirklichkeit. Dieser Tiefgang und diese Ahnung nimmt in seinen Bildern Gestalt an.

 

So verwundert es auch nicht, dass Hermann Staudinger oft Blattgold verwendet, ein Material, das in der Kunstgeschichte immer wieder für das Licht und die Berührung mit dem Übersinnlichen stand. Diese Berührung steht auch am Anfang der Themenfindung des Künstlers und mit seinem Werk reicht er uns diese Berührung mit Vertrautem und Neuem weiter. Die bearbeiteten Themen reichen von Landschaften und  Stadtaufnahmen über Zeitungsausschnitte bis zu Mondlichtzeichnungen.


Hermann Staudinger sieht sich als Künstler auch im Feld der Spiritualität, welches er mit einem Verweis auf die Literatin Marlen Haushofer ausdrückt, wenn die davon spricht, dass ein großer, ruhiger Herzschlag alles bewegt. Diesem Schlag nachzuspüren, damit beschäftigen sich die Arbeiten von Hermann Staudinger und laden ein, beim Betrachten der Bilder dem großen, aber auch dem eigenen Herzschlag auf die Spur zu kommen. Hubert Nitsch

 

Hermann Staudinger über seine Kunst:

 

"Ziel meiner Kunst war es immer, eine möglichst einfache, emotional verständliche Sprache zu sprechen. Eine Sprache, die in ihrer Simplizität imstande ist, das Herz und die Empfindung des Betrachters, der Betrachterin anzurühren. Etwas im Gegenüber zum Klingen zu bringen, lebendig zu machen und dabei auf eine höhere Schwingungsebene zu bringen.

In einem Buchbeitrag schrieb ich einmal: „Ich glaube, ich habe immer schon gezeichnet und gemalt, weil ich etwas Schönes und Beglückendes schaffen wollte. Etwas, das mit viel Liebe, Sorgfalt und Hingabe entsteht und entstanden ist, etwas wirklich Wert-volles, das es in dieser Art auf unserer Welt noch nicht gegeben hat. Eigentlich ging es also immer nur um die Liebe, dass etwas mir und anderen Freude und ein Wohlgefühl gibt.“

 

Hermann Staudinger über seine Technik der Kreidevergoldung:

 

Die Kreidevergoldung – oder Schnapsvergoldung – ist eine jahrhundertealte zeitaufwendig-kontemplative Handwerkstechnik.

 

Der Werkstoff, meist Holz, wird mit 5-7 Schichten Kreide überzogen, die vorher bei 60° in Hautleim und Wasser gelöst wurde. Nach zwei Schliffen wird das Poliment, ein in Eiklar gelöstes Erdpigment (meist rot) auf die nunmehr glatte Kreideoberfläche aufgetragen und nochmals mit Stahlwolle verdichtet. Dann werden die dünnen 22 Karat Goldblätter auf die benetzte – mit Schnaps getränkte – Oberfläche mit einem Feenhaarpinsel angelegt („angeschossen“); nach kurzer Trocknungszeit wird das Gold mit einem auf einem Holzstiel angebrachten geschliffenen Achaten aufpoliert.

 

Ergebnis sind Goldflächen, die immer unregelmäßig sind, wo das Poliment durchscheint, die Blättchen sichtbar bleiben … Durch diese „analogen“ Unregelmäßigkeiten wird eine feinteilige Ausstrahlung erreicht und der ephemere Ausdruck des Goldes gebrochen und rezipierbar gemacht.

Die kontemplative lange Arbeit an den Objekten lädt sie mit feinteiliger Information auf, die meditativen Formen laden Blick und Geist zum Verweilen – man „fällt“ in ein strahlendes, wärmendes Nichts.

 

 

 

Porträtfoto Hermann Staudinger: von Hertha Hurnaus

 

 

 

Hermann Staudinger. "Arena", Blattgold auf Kreidegrund auf Holz, 7-stufig, dm = 120 cm, 2004.

 

 

 

Hermann Staudinger, Goldwand Gold/Gelb, 2 x 2 cm, 120 x 120 x 3 cm, Kreidevergoldung auf gelbem Bolus

 

 

 

Hermann Staudinger, "Lamellen", Blattgold auf rotem Kreidegrund auf Holz,

35 x 35 cm, 2018

 

 

 

Hermann Staudinger, Goldwand Weissgold/Schwarz, 2 x 2 cm, 120 x 120 x 3 cm, Kreidevergoldung auf schwarzem Bolus