Max Weiler, geboren 1910 in Absam in Tirol, verstorben 2001 in Wien, war einer der bedeutendsten österreichischen Maler des 20. Jahrhunderts.

 

Studium an der Malerschule Toni Kirchmayr in Innsbruck und an der Akademie der Bildenden Künste, Wien, bei Karl Sterrer. Bereits in den zwanziger Jahren entwickelte Weiler seine eigenständige Sicht der Welt. In den 50er Jahren befreite sich der Künstler immer mehr vom äußeren Gegenstand hin zu einer freien gestischen Malerei. Der Dialog mit der Natur wurde zum zentralen Thema seines Schaffens. Dabei betonte Weiler stets, dass er die Natur als umfassende Erscheinung sieht. So werden Naturerscheinungen als abstrakte Kompositionen weitergegeben. Den Gefühlswert der Farbe nützt Weiler hierfür aus.

 

Weiler war 1960 Vertreter Österreichs auf der Biennale in Venedig, 1961 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis und von 1964 bis 1981 war Weiler Professor für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

 

Seine Werke sind heute in zahlreichen Museen und öffentlichen Sammlungen weltweit vertreten.

Max Weiler, Komposition mit Pflanzen, 1954, signiert Weiler 54,

Tempera und Bleistift auf Papier, 78,3 x 53,5 cm, gerahmt

 

Werksverzeichnis Nummer Weiler433

Provenienz ist gut dokumentiert und ein Zertifikat wird gerne bereitgestellt.

 

VERKAUFT

 


Zum Werk

 

 

Diese Bilder sind ganz künstliche Landschaften, künstliche Formen, die Natur suggerieren sollen. Erfindungen meiner eigenen Landschaften, erfundene Landschaften. Erfundene Formen neuerer Naturen in schönen Farben. Gebilde der Phantasie, Andenken an Formen der Wirklichkeit.
Max Weiler, 1970

Max Weiler ist einer der großen Vertreter der österreichischen Malerei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Kunst kann als eine spezifisch österreichische Form der internationalen Moderne gesehen werden.

Schon in seiner Studienzeit lernte Weiler die chinesische Landschaftsmalerei der Song- Dynastie (960– - 1279 n. Chr.) kennen. Sie wird ihn ein Leben lang beschäftigen und begleiteten. Das leidenschaftliche Interesse an chinesischem Denken und an chinesischer Kunst ist auf ein gemeinsames kosmologisches Welt- und Naturverständnis zurückzuführen. Weiler ging es in seiner Malerei nicht um die topographische Wiedergabe von Landschaften, er wollte die Natur als Ganzes, in ihrem Werden und Vergehen verstehen und versuchte, das Geistige in der Natur zu begreifen und darzustellen. Ausgehend von der Natur und in enger Verbindung mit der Natur entwickelte er eine gestisch expressive bis meditative abstrakte Malerei.

Das Gesamtwerk Max Weilers erstreckt sich über einen Zeitraum von 70 Jahren. Bereits im Frühwerk zeigt sich in Landschaftsbildern und einer radikal vereinfachten Figurenmalerei die tiefe Verbindung von Naturerfahrung und Spiritualität. Nach einem ersten Höhepunkt der Abstraktion im Zyklus „Als alle Dinge“ (1960-61), in welchem Weiler noch dem gestischen Informel verpflichtet war, stößt er in der Werkphase „Wie eine Landschaft“ (eine nachträgliche Bezeichnung) von 1962-1967 zu grundsätzlichen Fragestellungen einer autonomen, selbstreflexiven Malerei vor. Neueste Erkenntnisse bestätigen, dass der Künstler in diesen Jahren radikale, entscheidende Schritte in Richtung Gegenstandslosigkeit gesetzt hat.

Angeregt durch Probierpapiere, auf denen er Farben mischte und Pinsel abstreifte, entwickelte er Bildgestaltungen, die auf der Analyse fundamentaler, rein motorischer Prozesse des Malvorgangs und des Flusses der Farben und Bindemittel basierten. Dem quasi naturhaften, weil unbewussten Vorgang der Entstehung von Malerei, folgt eine Auswahl von Details der Probierpapiere und deren Übertragung auf große Bildformate. Die in dieser Zeit erfolgte Bereicherung und Verfeinerung des malerischen Repertoires bildet das Fundament des bedeutenden Spätwerks kosmologischer Bilder.

Mit den raumgreifenden „Flügelbildern“ Ende der 1960er Jahre gelang Weiler eine Entgrenzung des zweidimensionalen Gemäldes und damit ein weiterer originärer Beitrag zur Erweiterung und Neudefinition des Mediums Malerei. Ähnliches trifft auch für den monumentalen Bilderzykus der „Vier Wände“ (1973-1977) zu. Bestehend aus vier jeweils rund sechs Meter langen Malereien gilt er als einer der größten Bilderzyklen des 20. Jahrhunderts.

Neben Weilers umfassenden malerischen und graphischen Oeuvre, entstanden zahlreiche Fresken, unter anderem in der Theresienkirche auf der Hungerburg und im Hauptbahnhof Innsbruck, sowie Mosaike, Glasbilder und Keramikwandbilder im öffentlichen Raum, die damals zum Teil starken Protest hervorriefen.

Günther Oberhollenzer