Ladislav Černý

Ladislav Černý, Kreuzigung, Acryl auf Papier und Holz, 75 x 111 cm, 2008

 

 

Ladislav Černý, geboren am 2. November 1965 in Bratislava, Slowakei, lebt und arbeitet in Ivanka pri Dunaji und Wien. Černý studierte an den Kunstakademien in Bratislava und Dresden bei Prof. Ingo Sandner. Der akademische Maler und Bildhauer Černý ist Mitglied der Slovak Art Group und zählt zu den wichtigen zeitgenössischen Künstlern der Slowakei. Zahlreiche Ausstellungen in slowakischen staatlichen Institutionen, bei der Biennale Bratislava, sowie in Großbritannien unterstreichen seine Bedeutung in der slowakischen Kunstszene.

In den kommenden Monaten werden seine Werke auch im Slowakischen Künstlerhaus und in der Burg in Bratislava ausgestellt.

 

 

Lydia Altmann über Ladislav Černý:

 

"Welche Erwartungen haben Sie an Kunst? Der Komponist Peter Ruzicka beispielsweise versteht Kunst als „eine stets erneuerbare Energie, die ein Gegengewicht zum geistlosen Wettlauf darstellt. Ein ästhetisches Mittel zur Differenzierung und Urteilsschärfung“. Der Kunstkritiker Wolfgang Ullrich meint, „Kunst sei immer dann gelungen, wenn sie uns hilft unser alltägliches Leben wieder ein wenig „neu“ wahrzunehmen und zu interpretieren.“ Georg Baselitz, der deutsche Maler und Bildhauer, spricht sich „gegen Belehrungen und Appellen an die Moral, als Aufgabe der Kunst“ aus. Und der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa beklagt sich über „die zunehmende Banalisierung von Kunst.“ Seiner Meinung nach sei Kunst mehr und mehr zur Unterhaltung geworden, zu etwas womit man sich eine Zeit lang vergnügen könne.1

 

Die Frage die sich stellt: „Sollte oder darf man an Kunst überhaupt Erwartungen knüpfen?“ „L’art pour l’art - die Aufgabe von Kunst ist Kunst“, so der Slogan der avantgardistischen Kunsthaltung am Ende des 19. Jahrhunderts. Kunst solle sich folglich selbst genügen und somit zweckfrei sein! Ein Standpunkt der so simpel wie logisch scheint. Dass hieraus gerne der Umkehrschluss abgeleitet wird, Kunst sei geradezu verpflichtet sich jeder Kritik zu entziehen, impliziert allerdings erneut Erwartungshaltungen: der Künstler als Verweigerer, als Revolutionär, als Erfüllungsgehilfe, als Dienstleister…

 

Welcher Auffassung Sie auch zugetan sein mögen, Ladislav Černý ist mit Sicherheit kein Künstler, der mit Erwartungshaltungen kokettiert. Er fordert uns als Betrachter, löst Diskussionen aus, lässt Fragen offen. Am 2. November 1965 in Bratislava, in der Slowakei, geboren, studierte Černý zunächst an der Kunstakademie in Bratislava und anschließend an der Akademie in Dresden. Seine Arbeiten waren unter anderem in Ausstellungen der Slowakei, in Großbritannien, Frankreich, Tschechien, Ungarn und Polen zu sehen. Er ist Mitglied dreier Künstlergruppen in der Slowakei. Neben den klassischen Techniken der Bildenden Kunst: der Malerei und der Skulptur, widmet sich Černý auch der Objektkunst. Die Galerie Amart zeigt als erste österreichische Galerie im Rahmen einer Einzelausstellung einen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens der vergangenen zehn Jahre. Obgleich es das „typische Černý – Kunstwerk“, wie dies Benedikt Mairwöger, der Galerist von Amart, richtig bemerkt nicht wirklich gibt, so lassen sich dennoch Parameter erkennen, die auf „seine Kunst“ verweisen. Zum einen sind diese am Motiv seiner Arbeiten festzumachen, die das menschliche Sein, aus der Sicht seiner ganz persönlichen Wahrnehmung und Empfindung widerspiegeln. Zum anderen finden wir diese in seiner Farben- und Formensprache, die uns als Betrachter unvermittelt, in einer für Černý charakteristischen, expressiven „Wuchtigkeit“ gegenüber tritt. Eine Direktheit, die den Betrachter anzieht, ihn vereinnahmt, ihm jedoch nicht immer den Zugang eröffnet. Ein „Černý–Werk“ entsteht eben nicht aus dem Bedürfnis heraus unser beschauliches Zuhause zu schmücken. Ein „Černý–Werk“ entsteht um seiner selbst willen. Hierin spiegelt sich das gesamte Spektrum seines Lebens wider, eingebettet zwischen Geburt und unabwendbarem Tod. Hier finden Begegnungen, Berührungen und Beziehungen statt. Hier trifft Liebe auf Leiden und Schmerz, Sexualität auf Moral und Sterben.

 

Lydia Altmann, Kunsthistorikerin und Kuratorin

 

1 Vgl. Vom Mut zur Freiheit zum Glück, in: Die Presse am Sonntag, 20. März 2016; Wolfgang Ullrich: Was war Kunst? Biographien eines Begriffes, Frankfurt/Main, 2007.

 

 

 

Ladislav Černý, Metamorphose, 2017, Holz,Sauerkirsche

 

 

 

Ladislav Černý, Adam und Eva, Tropenholz, ca. 170 x 25 cm, 2016

 

 

Ladislav Černý, Lauschen, Lindenholz, 2017