Alexandra Kontriner

Alexandra Kontriner, Tagpfauenauge, Wasserfarbe und Bleistift auf geprägtem Büttenpapier, 53 x 38 cm, 2012

 

Alexandra Kontriner, geboren 1980 in Lienz / Osttirol, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Kunstgeschichte und an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und Innsbruck.

 

Alexandra Kontriner beginnt früh, Dinge aufzuheben und zu betrachten. Blätter, Steine, Zweige, leere Schneckenhäuser, Blüten. Reste einst lebendiger Organismen faszinieren sie: verdorrte Pflanzen, Skelette zerfallener Blätter, abgestreifte Schlangenhäute, Käferlarven. Unbewusst schärft sich ihr Blick für Strukturen, und sie fängt an, die Beobachtungen zu überprüfen, indem sie Fundstücke zeichnet. Bilder entstehen aus dem Wunsch, noch genauer zu schauen und mehr zu erkennen. 

 

 

Ihre Modelle sind verwelkte Pflanzen, Falter aus Schmetterlingskästen, tote Fliegen vom Fensterbrett, der Panzer eines Hirschkäfers, den sie beim Spazieren findet. Die Natur im Zustand des Absterbens und Zerfallens, Materie kurz vor der Auflösung, der letzte Schritt des ewigen Kreislaufs als Motiv und Inhalt ihrer Bilder wird bis ins Detail fotografisch genau und in Originalgröße wiedergegeben.

 

Alexandra Kontriner scheint Momente der Vergänglichkeit vor dem endgültigen Vergehen bewahren zu wollen. Sie hebt filigrane Zeugen gewesenen Lebens auf, arrangiert sie, setzt sie in Beziehung zueinander. Die Verletzlichkeit wird als beschädigter Körper, eingerissener Flügel oder fehlender Fühler dargestellt, so als würde etwas nicht mehr Vorhandenes gezeigt oder darüber hinaus gedeutet werden: auf Vereinzelung, Einsamkeit, Verlust.

 

Bisweilen baut sie winzige Embleme in die Körper ihrer Tiere ein, Symbole für Vergänglichkeit, Leben und Tod. Skizzierte Raster und strenge Perspektiven unterwerfen die Darstellung der Natur einer formalen Ordnung und zeigen das Interesse der Künstlerin am Verhältnis von Gegebenheit und Prinzip, Natur und Mensch. Sie gibt der Symbiose Vorrang vor dem Gegensatz.

 

Das Aufbrechen und Hinterfragen von Denkmustern und Sehgewohnheiten steht bei ihren Fotomontagen im Mittelpunkt. Sie lässt Quallen über Gebirgszügen schweben, einen Riesenmistkäfer in eine Landschaft voller Windräder stürzen, Schwanenhälse sich wie Schlangen winden. Die Komponenten der Montagen sind klar erkennbar, in ihrer Überschneidung erzeugen sie unerwartete, spannende, manchmal provokante Effekte. Fotografie als Technik spielt dabei keine Rolle. Das Medium ist bloß Mittel zum Zweck, weshalb sie seit 2009 mit einer Handykamera aufnimmt.

 

Der Blick des Kindes, beobachtend, staunend, fragend, die Faszination für – im wahrsten Sinne des Wortes – „verrückte Dinge“, das Aufspüren des Verlorenen, die Entdeckung des Großartigen im Kleinen, des Absoluten im Unscheinbaren prägen den künstlerischen Ausdruck von Alexandra Kontriner.

 

- Thomas- Roman Eder

 

Porträtfoto Alexandra Kontriner: von Julia Haimburger

 

 

Alexandra Kontriner, Wildrose, Wasserfarbe und Bleistift auf Papier, 30 x 21 cm, 2012

 

 

Alexandra Kontriner, Kleinspecht, Detail, Wasserfarbe und Bleistift auf Büttenpapier, 53 x 38 cm, 2015

 

 

Alexandra Kontriner, Färberkamille, Wasserfarbe und Bleistift auf Büttenpapier,

100 x 40 cm, 2015

 

 

Alexandra Kontriner, Kohlweißling, Wasserfarbe und Bleistift auf Papier, 21 x 14,8 cm, 2014