Aktuelle Ausstellung

Joanna Gleich, Ohne Titel, Öl auf Leinen, 200 x 130 cm, 2017

 

"Rhapsody in Blue"

 

Einzelausstellung Joanna Gleich

 

Vernissage Donnerstag 16. November 2017,

18 - 21 Uhr

 

Eröffnung und Ansprache um 19 Uhr

Einführende Worte von

Dr. Elmar Zorn, Kunstkritiker und Kurator

 

in der Galerie Amart, Schäffergasse 20, 1040 Wien

 

Künstlerische Einführung von Dr. Elmar Zorn

Rede zur Eröffnung der Einzelausstellung Joanna Gleich „Rhapsody in Blue“ in der Galerie Amart


Wien, am 16. November 2017


Meine Damen und Herren!


Bei den Arbeiten der Malerin Joanna Gleich, die Sie in dieser Ausstellung hier sehen, bekommen wir das Ergebnis eines mehrere Jahrzehnte andauernden handwerklichen Trainings dieser Künstlerin vor Augen geführt, auf eine Weise, die man sogar in der durch ihre führenden zeitgenössischen Maler verwöhnten Stadt als außergewöhnlich zu bezeichnen nicht umhin kommt.

 

In den Kunstschulen und Kunsthochschulen in Polen, Wien, Salzburg und New York erreichte Joanna Gleich eine phänomenale Beherrschung ihres Metiers, die sie aber auch weitergegeben hat. Bis heute legt sie Wert darauf ihre Sichtweise der Malerei und ihre spezifische Technik der jungen Generation zu vermitteln, mit Lehrtätigkeiten immer wieder in Österreich und Deutschland. Diese große Meisterschaft der Malerin war in einigen der wichtigsten Hochburgen der Kunst eindrucksvoll zu erleben erfahren, etwa in Dresden, in München, und in Salzburg.

 

In München war zahlreiche Werke von ihr zuletzt im Herbst vor 1 Jahr in der Galerie des Flughafens München in einer atemberaubend schönen Präsentation zu bewundern, die der Fotokünstler Max Ott für den in Berlin im Verlag Damm&Lindlar entstandenen Katalog festgehalten hat. In Salzburg wurde ihre Malerei in der Galerie Welz, der ältesten Galerie der Stadt gleich beim Neuen Festspielhaus, in einer Aufsehen erregenden Einzelausstellung gezeigt. Und in Wien, wo sie ja seit Jahrzehnte lebt und in der Kunstszene gewirkt hat, etwa mit den Ausstellungen in der Galerie Exner oder der Privatgalerie von Brigitte Ambros in Döbling, wurde ihr mit der Präsentation heute in der seit Januar letzten Jahres bestehenden Galerie Amart ( der Name steht für Austrian Modern Art ) auf Einladung des Galeristen Benedikt Mairwöger, Sohn des abstrakten Malers und Otto-Mauer- Preisträgers Gottfried Mairwöger eine Fokussierung ihres Werkes zuteil, wie das so noch nicht in Wien mit ihrem Werk geschehen ist.

 

Nach Wien wird sie in New York Chelsea ausstellen, in der Berry Campbell Galerie und in Fort Myers in Florida, auf Einladung von Marcus Jansen, Joanna Gleichs amerikanischen Malerkollegen, der auf seiner Tour durch Deutschland begeistert von ihrem Malduktus und ihren Farbkombinationen. Wie sie hat er nämlich in den Galerieräumen des hoch renomierten Kunstvereins Aschau am Chiemsee ausgestellt , ebenso wie der vor kurzem verstorbene große Maler Arno Rink, Gründungsvater der Neuen Leipziger Schule und Lehrer von Neo Rauch.

 

Worin besteht der Sog, man könnte auch sagen, der Zauber dieser Malerin, die Polin ist und Österreicherin wurde, und eben seit 1979 in Wien lebt? Warum hält einer wie Marcus Jansen, der selber zu den wichtigsten amerikanischen Malern der Gegenwart zählt, sie für eine der großen europäischen Malerinnen unserer Zeit?


Der Wiener Kulturwissenschaftler Dieter Schrage hat einmal Joanna Gleichs Malerei apostrophiert als „lyrisch-dramatisches Farbentheater“ und eine Eigentümlichkeit in ihrer Mal-Methode erkannt, dass nämlich ihre „absoluten Bildwelten“ sehr oft im Grenzbereich zum Gegenständlichen liegen. Das war gut zu studieren in ihrem Zyklus großformatiger Gemälde mit dem Titel „Nach Tiepolo“, der 2008 für eine Ausstellung in der Kunsthalle in Mannheim-Viernheim entstanden war. Die
Künstlerin hatte reagiert auf die Herausforderung, mit den Mitteln zeitgenössischer Malerei das Typische von Giovanni Battista Tiepolo, des größten Farbengenies der Rokoko-Zeit, zu gestalten.


Sie hatte dies so brillant gemeistert, dass Jahre später Dieter Ronte, der langjährige Direktor des Museums moderner Kunst in Wien und darauf des Kunstmuseums Bonn, in seiner Eröffnungsrede der Ausstellung „Babylons Schatten“ im Kulturzentrum Pasinger Fabrik, die der Abbildbarkeit realer und fiktiver Architekturräume durch heutige bildende Kunst gewidmet war, besonders auf die
Wahlverwandtschaft von Joanna Gleich zu Tiepolo bezüglich ihrer Farbräume hingewiesen hat.


Dieter Ronte sagte:
„Man könnte diese Bilder vom Boden nehmen, man könnte sie an die Decke hängen, dann hätte man sozusagen einen Tiepolo-Effekt“.
Auch in dieser Ausstellung läßt sich das Spiel auf Leinwand und Papier zwischen ungegenständlich und gegenständlich gut beobachten:
In „Chiemsee 2“ von 2016 etwa ist es verblüffend, wie sie mit wenigen, eigentlich nichts Gegenständliches erfaßenden breiten Pinselstrichen eine Szene mit See, Wolken, Land und Segelbooten assoziierbar macht. In einem Bild ohne Titel von 2017 sind vor blauem Hintergrund kleine und große ocker- und olivbraune und dunkel- und hellgrüne wie gelbe weiße Farbbalken vertikal so gestaffelt, dass sie einerseits eine abstrakte Gruppierung bleiben, anderseits auch eine Schlucht oder ein Steilufer vorstellen könnten.

 

Und in einem Bild von 2016/17 dominiert ein
elliptischer Farbkörper in hellen und sich steigernden dunklen Abstufungen von Blau, der überdeutlich auch gegenständlich zu sehen ist - als Ei, als Pflaume, als Feige. Lediglich die Malerei auf Papier, von denen einige hier gezeigt werden, weisen nicht solche optischen Doppeldeutigkeiten auf, da die Farbschwünge nicht als Blöcke und massive Streifen gestaltet sind, sondern gestisch bewegter und farblich variantenreicher die Fläche ausfüllen und die Striche sich zuweilen verdünnen zu graphisch gesetzten Elementen. Es fällt auf, dass die Farbgebung Blau sich immer
wieder Raum verschafft, was die Titelgebung dieser Ausstellung als „Rhapsodie in Blue“ paraphrasiert. Ich muß zugeben, dass ich an der dominanten Wahl der Künstlerin von Blau nicht ganz unschuldig bin, denn ich hatte in der Vorbereitung ihrer Ausstellung in den Galerieräumen von Aschau ihren Blick auf die von allen Chiemseemalern thematisierte legendäre Bläue der Seefläche gelenkt und sie hat dann einen kleinen Zyklus geschaffen, der zu den schönsten ihres Oeuvres
gehört, wie auch ihre Werke des „Tiepolo“-Zyklus.


Der bekannte Kunstkritiker Gottfried Knapp von der Süddeutschen Zeitung hat die Einleitung zum erwähnten, letzt entstandenen Katalogbuch verfaßt und Worte gefunden, die geradezu ein Bekenntnis zu den spezifischen Qualitäten von Gleichs Malerei darstellen. Besonders hat ihn dieser unglaubliche Sog aus den Tiefen des Bildes heraus auf den Betrachter fasziniert, wie dies übrigens auch bei dem Münchner Kunstsammler Franz Moll der Fall war. Der hatte das in diesem Sinne
wohl packendste Bild des „Tiepolo“-Zyklus in der Ausstellung „Alles Farbe!“ entdeckt. Dieser Titel war übrigens eine Paraphrase auf die allen bekannte Aufforderung des Wiener Opernballs „Alles Walzer!“. Ausgerechnet in einem Kunstraum im sogenannten Blauen Land, dem Land der „Blauen Reiter“ Franz Marc und Wassili Kandinsky, zwischen den oberbayerischen Orten Murnau
und Kochel, stieß er auf das großformatige Werk, sicher eines der besten im Schaffen der Künstlerin. Er erwarb es noch am gleichen Tag.


Lassen Sie mich kurz zum Werdegang von Joanna Gleich sprechen:
Joanna Gleich absolvierte ihre Akademie-Ausbildungen in ihrer ursprünglichen Heimat Polen glänzend, wie in der polnischen Presse nachzulesen ist. Sie hat aber eine weitere Universitätsausbildung, nämlich eine wissenschaftliche, zusätzlich aufzuweisen . Und schließlich, wer bei Wolfgang Hollegha und Josef Mikl an der Wiener Akademie der Bildenden Künste sowie bei Georg Meistermann an der Salzburger Sommerakademie erfolgreich studiert hat, gehört fraglos zur Elite im österreichischen Kunstschaffen. Ich wage dies festzustellen, da ich sowohl in Wien als auch in Salzburg beruflich tätig war, in Wien bei den Wiener Festwochen und dann lehrend in der jetzigen Universität der angewandten Kunst, in Salzburg für die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste.

 

Nun ist sich Joanna Gleich der Überlappung ihrer Malerei als einem traditionellen Medium mit dem, was Malerei für die Wahrnehmung in einer bildüberfluteten Welt heutzutage als Experimentierfeld leisten kann, ja muß, hoch bewußt. In einem Statement von 2003 zu ihren - wie sie sagt - „ureigensten“ Mitteln schreibt sie:
„Wenn ich es schaffe, mit meiner Arbeit etwas zur Alphabetisierung des Sehens beizutragen und das Interesse an der Materialität wie an der Spiritualität der Bilder zu wecken, dann ist mir schon viel gelungen.“


Gelungen ist ihr auf eine, wie gesagt, zauberische Weise mit den Großen der modernen Malerei vor ihr in einen intensiven Dialog zu treten und in ihrer unglaublich lebendigen malerischen Handschrift von Bild- und Farberfindungen das noch nicht ausgeschöpfte Potential der Tradition abstrakter Malerei zu berühren, wie es sie gibt seit den großartigen Zeugnissen der Höhlenmalerei etwa der Chauvet-Höhle und der in Lascaux, und neu zum Blühen zu bringen. Lassen Sie mich schließen mit einer Stellungnahme, die ich einmal im Namen alle meiner Kuratoren-Kollegen abgegeben habe, als wir Joanna Gleich in die Reihe der von uns „Curatorial Partners“ geförderten Künstler aufnahmen:


„Joanna Gleichs Bilder stellen wahre Farbabenteuer vor. Mit kühnen, aber immer harmonischen Erfindungen spielt sie ihre Farbkombinationen über die Fläche der Leinwand und des Bildraums hinaus. Ihre aus schweren, mächtigen Farbblöcken und Pinselhieben aufgebauten Kompositionen strahlen dennoch einen leichte, rokokohafte Luftigkeit aus und ziehen den Betrachter gleichzeitig in die Tiefe des Hintergrunds der Bildfläche. Das ist ganz und gar außergewöhnlich.“


Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!


München, den 15. November 2017
Elmar Zorn


( Der Autor ist in Traunstein im Chiemgau aufgewachsen und wohnt heute noch dort, wie auch in München. Er war leitend tätig, u.a. für das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und für die Wiener Festwochen, kuratierte Ausstellungen in Italien, den USA und China, neben Deutschland und Österreich, und lehrte in Wien, Innsbruck, Mailand und Neapel )

 

Die Einladung als Download finden Sie hier:

 

Einladung Joanna Gleich

 

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Einladung Joanna Gleich - Galerie Amart.
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